Unterschwellenvergabe Bayern — So gewinnst du mehr nationale Aufträge
Unterschwellenvergabe in Bayern erklärt: Wertgrenzen 2026, wo Bekanntmachungen stehen und welche Dokumente du vor der ersten Bewerbung parat haben solltest
6 Min. Lesezeit
Stand: 27. Juli 2026 In Kraft
Die Unterschwellenvergabe in Bayern ist für die meisten Bau- und Handwerksbetriebe der eigentliche Markt: Aufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte, national bekannt gemacht, mit weniger Konkurrenz als bei TED-Verfahren — aber nur, wenn du weißt, wo sie stehen und wie du dich vorbereitest.
Was „unter der Schwelle“ in der Praxis heißt
Zwei Ebenen trennen sich:
EU-Schwellenwert: Für Bauaufträge öffentlicher Auftraggeber gilt ab 2026/2027 ein Oberschwellenwert von 5.404.000 Euro netto (Delegierte Verordnung (EU) 2025/2152). Darüber: europaweite Ausschreibung über TED. Darunter: nationales Vergaberecht.
Bayerische Wertgrenzen: Seit dem 1. Januar 2025 gelten im Freistaat deutlich höhere Grenzen für Direktaufträge und freihändige Vergaben — befristet bis 31. Dezember 2029 (Art. 20 BayWiVG). Die Auftragsberatungsstelle Bayern fasst die Übersichten für Auftraggeber zusammen.
Für Bauleistungen (VOB/A) bei staatlichen und kommunalen Auftraggebern gilt laut VVöA:
- Direktauftrag bis einschließlich 250.000 Euro netto
- Freihändige Vergabe und beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb bis einschließlich 1.000.000 Euro netto
Für Liefer- und Dienstleistungen (UVgO):
- Direktauftrag bis einschließlich 100.000 Euro netto
Wichtig: Die VOB/A-Wertgrenzen des Bundes (50.000 / 100.000 / 150.000 Euro netto) wurden zum 1. Januar 2026 selbst angehoben — sie sind also nicht veraltet, sie gelten nur für andere Auftraggeber. Für bayerische Staats- und Kommunalaufträge greift Art. 20 BayWiVG mit den höheren Werten. Wer beide Zahlenreihen verwechselt, schätzt die Verfahrensart falsch ein. Mehr Hintergrund in unserem Artikel Schwellenwerte 2026 → und zur Direktauftrag-Regelung des Bundes →.
Und die wichtigste Konsequenz: Ein erhöhter Direktauftragsrahmen heißt nicht, dass nichts mehr veröffentlicht wird. Bei Verhandlungsvergaben und beschränkten Ausschreibungen ohne Teilnahmewettbewerb bleibt im kommunalen Bereich eine Ex-post-Veröffentlichung ab 25.000 Euro Pflicht, und Bauleistungen dürfen die erhöhten Wertgrenzen ab 250.000 Euro nur nach vorheriger Veröffentlichung nutzen, wenn kein Teilnahmewettbewerb vorgeschaltet ist. Beides ist auf BayVeBe abrufbar — die Zuschlagsbekanntmachungen sind deine Marktübersicht.
Wo Unterschwellen-Ausschreibungen in Bayern erscheinen

Nationales Vergaberecht bedeutet: kein TED, aber Bekanntmachungspflichten auf Landesportalen.
BayVeBe — der Bekanntmachungs-Index
BayVeBe sammelt veröffentlichungspflichtige Bekanntmachungen für nationale Verfahren: Auftragsbekanntmachungen, Vorinformationen und Zuschlagsbekanntmachungen. Laut Dienstleistungsportal Bayern ist BayVeBe ein reines Bekanntmachungsportal — Angebote reichst du über verlinkte Vergabeportale ein.
Filter nach Region, CPV-Code und Fristdatum sparen Zeit. Wer Vorinformationen liest, sieht Projekte oft Wochen vor der Angebotsaufforderung.
vergabe.bayern.de und auftraege.bayern.de
Die Vergabeplattform vergabe.bayern.de wickelt Bauverfahren nach VOB, UVgO und VgV ab — inklusive elektronischer Angebotsabgabe. auftraege.bayern.de deckt zusätzlich Liefer- und Dienstleistungsverfahren kommunaler und staatlicher Auftraggeber ab.
Beide Portale sind Einstieg und Abgabeweg. BayVeBe verlinkt dorthin, wenn die Vergabestelle dort ausschreibt.
Auftraggeber-eigene Seiten
Große bayerische Auftraggeber listen Verfahren zusätzlich auf eigenen Seiten — z.B. Münchner Wohnen mit Vergabestelle, Ausführungsort, Bewerbungszeitraum und Abgabefrist. Das Erzbistum München und Freising führt parallel ein eigenes VOB-Portal mit SHK-, Maler- und Elektroausschreibungen.
Eine Übersicht der Staatsportale findest du in Bayerische Vergabeportale 2026 →.
Was du vor der ersten Bekanntmachung parat haben solltest
Wer erst reagiert, wenn die Frist läuft, verliert. Diese Unterlagen solltest du dauerhaft aktuell halten:
- Handelsregisterauszug oder Gewerbeanmeldung (nicht älter als 3–6 Monate, je nach Vergabestelle)
- Referenzliste mit vergleichbaren Projekten — Bauart, Auftragsvolumen, Auftraggeber, Ansprechpartner
- Versicherungsnachweise — Betriebshaftpflicht, ggf. Bauleistungsversicherung
- Umsatzsteuer-ID und Steuernummer
- Eignungsnachweise nach Gewerk — Meisterbrief, Eintragung Handwerksrolle, Fachkundenachweise
- Kapazitätsnachweis — Personal, Geräte, ggf. Nachunternehmer-Erklärungen
- Präqualifikation, falls du bei Präqualifizierungsstellen gelistet bist
Tipp: Lege einen Ordner (digital oder physisch) „Standard-Vergabe“ an. Wenn eine Ausschreibung kommt, fehlt nur noch das projektspezifische Angebot — nicht die Grunddokumente.
Unsere Eignungsnachweis-Checkliste → geht ins Detail.
Die Angebots-Checkliste für kleine Betriebe
Geh diese Punkte durch, bevor du ein Angebot schreibst:
- Passt das Projekt? Gewerk, Entfernung, Auftragsgröße, Ausführungszeitraum — realistisch mit deiner Kapazität?
- Fristen verstanden? Bewerbungsfrist vs. Angebotsabgabe — manche Verfahren haben zwei Stufen
- Verfahrensart klar? Offenes Verfahren, beschränkte Ausschreibung, Verhandlungsvergabe — unterschiedliche Anforderungen
- Vergabeunterlagen vollständig? Leistungsverzeichnis, Besondere Vertragsbedingungen, Eignungskriterien
- Bieterfragen rechtzeitig? Frist für Rückfragen notieren — danach keine Korrekturen mehr
- Kalkulation belastbar? Material, Lohn, Gerät, Nachunternehmer, Risikoaufschlag — nicht nur „schnell was draufschreiben“
- Formale Anforderungen? Losweise Abgabe, Preisblatt-Format, elektronische Signatur oder Textform
Wenn du bei Punkt 1 oder 6 unsicher bist: lieber passieren als mit Verlust kalkulieren.
Typische Fehler — und wie du sie vermeidest
Quellenlücke: Nur ein Portal prüfen. BayVeBe zeigt Bekanntmachungen, die auf auftraege.bayern.de laufen — aber nicht alles, was Auftraggeber nur auf der eigenen Seite listen.
Fristenverpassung: Angebotsfristen an Wochenenden oder Feiertagen. Kalender-Erinnerung drei Tage vorher setzen, nicht am Stichtag.
Unvollständige Unterlagen: Formale Ausschlussgründe sind häufiger als inhaltliche Niederlagen. Checkliste abarbeiten, nicht aus dem Gedächtnis.
Zu spät einsteigen: Bei beschränkten Verfahren ist die Teilnahme bereits vor der Angebotsphase entschieden. Vorinformationen ernst nehmen.
Schlechte Kalkulation: Öffentliche Aufträge sind kein Schnäppchenmarkt — aber sie sind planbar. Wer Angebotskalkulationsfehler → vermeidet, hat bessere Margen auch unterhalb der EU-Schwelle.
Dein wiederholbarer Wochen-Workflow
So baust du aus Einzelaktionen ein System:
| Tag | Aufgabe |
|---|---|
| Montag | BayVeBe: neue Bekanntmachungen in deiner Region + CPV |
| Dienstag | vergabe.bayern.de / auftraege.bayern.de: offene Bauverfahren |
| Mittwoch | Relevante Auftraggeber-Seiten (Kommunen, Wohnungsgesellschaften) |
| Donnerstag | Zuschlagsbekanntmachungen: wer gewinnt in deinem Umkreis? |
| Freitag | Offene Angebote priorisieren, Unterlagen aktualisieren |
Das kostet 3–5 Stunden pro Woche — realistisch für einen Betrieb ohne eigene Vergabeabteilung. Wer das nicht stemmen kann, braucht Aggregation — nicht als Verkaufsargument, sondern weil der Markt fragmentiert ist. Auf Alle Gewerke → läuft die Quellenprüfung täglich; du behältst die Entscheidung, ob ein Treffer angebotswürdig ist. Angebote und Unterlagen bleiben auf den offiziellen Portalen. Preise → ab 59 Euro im Monat.
Finale Checkliste vor der Abgabe
Kurz vor dem Upload oder der Unterschrift:
- Alle geforderten Formblätter ausgefüllt
- Preise im geforderten Format (netto/brutto, Einheitspreise, Pauschalen)
- Eignungsnachweise angehängt oder hochgeladen
- Frist eingehalten — mit Puffer, nicht auf die letzte Minute
- Kopie des Angebots archiviert (Nachweis bei Streit)
Unterschwellenvergabe in Bayern ist kein Nebenmarkt — sie ist der Kernbereich für KMU. Wer Quellen, Fristen und Unterlagen im Griff hat, ist klar im Vorteil gegenüber dem Betrieb, der nur „mal schaut, ob was Neues da ist“. Wenn du den Wochen-Workflow automatisieren willst: Kostenlos registrieren und nationale Ausschreibungen für dein Gewerk prüfen →
Aktualisierungen
- 27. Juli 2026 — Defekten Link auf Art. 20 BayWiVG korrigiert. Klargestellt, dass die VOB/A-Wertgrenzen des Bundes zum 1. Januar 2026 selbst angehoben wurden — sie sind nicht „alt“, sondern gelten nur für andere Auftraggeber. Ergänzt um die Veröffentlichungspflichten, die trotz erhöhter Wertgrenzen bestehen bleiben, sowie Quellen und Stand-Datum.
Quellen
- Art. 20 BayWiVG — Unterschwellenvergabe (öffnet in neuem Tab) — Bayerische Staatskanzlei, gesetze-bayern.de
- Verwaltungsvorschrift zum öffentlichen Auftragswesen (VVöA) (öffnet in neuem Tab) — Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, gesetze-bayern.de
- Vergabe von Aufträgen im kommunalen Bereich (IMBek) (öffnet in neuem Tab) — Bayerisches Staatsministerium des Innern, gesetze-bayern.de
- Delegierte Verordnung (EU) 2025/2152 — Schwellenwerte für die Jahre 2026-2027 (öffnet in neuem Tab) — Amtsblatt der Europäischen Union, EUR-Lex, 22. Oktober 2025
Aaron Gregg
Geschäftsführer, Ibis Flow GmbH
Verantwortlich für die Inhalte von Alle Gewerke und für die Vergabe- und Matching-Systeme hinter der Plattform.
Weiterlesen

2026-07-28
Bundestariftreue bei Bundesaufträgen — was Bieter jetzt nachweisen müssen
Bundestariftreuegesetz Bauaufträge: Ab 50.000 Euro und dem 1. Mai 2026 — was Bieter zusagen müssen und was die Verordnung noch offen lässt
Weiterlesen

2026-07-04
Bayerische Vergabeportale 2026 — wo Ausschreibungen wirklich stehen
Bayerische Vergabeportale 2026 erklärt: TED, Vergabe Bayern, BayVeBe und auftraege.bayern.de — und warum ein Portal allein nicht reicht für Bauunternehmen
Weiterlesen

2026-07-04
Versteckte Ausschreibungsquellen in Bayern — Was die großen Portale nicht zeigen
Versteckte Ausschreibungsquellen in Bayern: Wohnungsbaugesellschaften, kirchliche Portale, Amtsblätter und Baugenehmigungen als Frühsignale für neue Bauaufträge
Weiterlesen
Sehen, ob dieser Auftrag ausgeschrieben wird
Wert, Auftraggeber, Gewerk — und du weißt, welches Verfahren gilt und ob es veröffentlicht wird.
Vergabe-Check öffnen