2026-07-04

Unterschwellenvergabe Bayern — So gewinnst du mehr nationale Aufträge

Unterschwellenvergabe in Bayern erklärt: Wertgrenzen 2026, wo Bekanntmachungen stehen und welche Dokumente du vor der ersten Bewerbung parat haben solltest

Die Unterschwellenvergabe in Bayern ist für die meisten Bau- und Handwerksbetriebe der eigentliche Markt: Aufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte, national bekannt gemacht, mit weniger Konkurrenz als bei TED-Verfahren — aber nur, wenn du weißt, wo sie stehen und wie du dich vorbereitest.

Was „unter der Schwelle“ in der Praxis heißt

Zwei Ebenen trennen sich:

EU-Schwellenwert: Für Bauaufträge öffentlicher Auftraggeber gilt ab 2026/2027 ein Oberschwellenwert von 5.538.000 Euro netto. Darüber: europaweite Ausschreibung über TED. Darunter: nationales Vergaberecht.

Bayerische Wertgrenzen: Seit dem 1. Januar 2025 gelten im Freistaat deutlich höhere Grenzen für Direktaufträge und freihändige Vergaben — befristet bis 31. Dezember 2029 (Art. 20 BayWiVG). Die Arbeitsgemeinschaft Vergabe Bayern fasst die Übersichten für Auftraggeber zusammen.

Für Bauleistungen (VOB/A) bei staatlichen und kommunalen Auftraggebern gilt laut VVöA:

  • Direktauftrag bis einschließlich 250.000 Euro netto
  • Freihändige Vergabe und beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb bis einschließlich 1.000.000 Euro netto

Für Liefer- und Dienstleistungen (UVgO):

  • Direktauftrag bis einschließlich 100.000 Euro netto

Tipp: Die alten VOB/A-Bundeswerte (50.000 / 100.000 / 150.000 Euro) gelten in Bayern für staatliche und kommunale Auftraggeber nicht mehr — hier greift das BayWiVG. Mehr Hintergrund in unserem Artikel Schwellenwerte 2026 → und zur Direktauftrag-Regelung →.

Wo Unterschwellen-Ausschreibungen in Bayern erscheinen

Nationales Vergaberecht bedeutet: kein TED, aber Bekanntmachungspflichten auf Landesportalen.

BayVeBe — der Bekanntmachungs-Index

BayVeBe sammelt veröffentlichungspflichtige Bekanntmachungen für nationale Verfahren: Auftragsbekanntmachungen, Vorinformationen und Zuschlagsbekanntmachungen. Laut Dienstleistungsportal Bayern ist BayVeBe ein reines Bekanntmachungsportal — Angebote reichst du über verlinkte Vergabeportale ein.

Filter nach Region, CPV-Code und Fristdatum sparen Zeit. Wer Vorinformationen liest, sieht Projekte oft Wochen vor der Angebotsaufforderung.

vergabe.bayern.de und auftraege.bayern.de

Die Vergabeplattform vergabe.bayern.de wickelt Bauverfahren nach VOB, UVgO und VgV ab — inklusive elektronischer Angebotsabgabe. auftraege.bayern.de deckt zusätzlich Liefer- und Dienstleistungsverfahren kommunaler und staatlicher Auftraggeber ab.

Beide Portale sind Einstieg und Abgabeweg. BayVeBe verlinkt dorthin, wenn die Vergabestelle dort ausschreibt.

Auftraggeber-eigene Seiten

Große bayerische Auftraggeber listen Verfahren zusätzlich auf eigenen Seiten — z.B. Münchner Wohnen mit Vergabestelle, Ausführungsort, Bewerbungszeitraum und Abgabefrist. Das Erzbistum München und Freising führt parallel ein eigenes VOB-Portal mit SHK-, Maler- und Elektroausschreibungen.

Eine Übersicht der Staatsportale findest du in Bayerische Vergabeportale 2026 →.

Was du vor der ersten Bekanntmachung parat haben solltest

Wer erst reagiert, wenn die Frist läuft, verliert. Diese Unterlagen solltest du dauerhaft aktuell halten:

  • Handelsregisterauszug oder Gewerbeanmeldung (nicht älter als 3–6 Monate, je nach Vergabestelle)
  • Referenzliste mit vergleichbaren Projekten — Bauart, Auftragsvolumen, Auftraggeber, Ansprechpartner
  • Versicherungsnachweise — Betriebshaftpflicht, ggf. Bauleistungsversicherung
  • Umsatzsteuer-ID und Steuernummer
  • Eignungsnachweise nach Gewerk — Meisterbrief, Eintragung Handwerksrolle, Fachkundenachweise
  • Kapazitätsnachweis — Personal, Geräte, ggf. Nachunternehmer-Erklärungen
  • Präqualifikation, falls du bei Präqualifizierungsstellen gelistet bist

Tipp: Lege einen Ordner (digital oder physisch) „Standard-Vergabe“ an. Wenn eine Ausschreibung kommt, fehlt nur noch das projektspezifische Angebot — nicht die Grunddokumente.

Unsere Eignungsnachweis-Checkliste → geht ins Detail.

Die Angebots-Checkliste für kleine Betriebe

Geh diese Punkte durch, bevor du ein Angebot schreibst:

  1. Passt das Projekt? Gewerk, Entfernung, Auftragsgröße, Ausführungszeitraum — realistisch mit deiner Kapazität?
  2. Fristen verstanden? Bewerbungsfrist vs. Angebotsabgabe — manche Verfahren haben zwei Stufen
  3. Verfahrensart klar? Offenes Verfahren, beschränkte Ausschreibung, Verhandlungsvergabe — unterschiedliche Anforderungen
  4. Vergabeunterlagen vollständig? Leistungsverzeichnis, Besondere Vertragsbedingungen, Eignungskriterien
  5. Bieterfragen rechtzeitig? Frist für Rückfragen notieren — danach keine Korrekturen mehr
  6. Kalkulation belastbar? Material, Lohn, Gerät, Nachunternehmer, Risikoaufschlag — nicht nur „schnell was draufschreiben“
  7. Formale Anforderungen? Losweise Abgabe, Preisblatt-Format, elektronische Signatur oder Textform

Wenn du bei Punkt 1 oder 6 unsicher bist: lieber passieren als mit Verlust kalkulieren.

Typische Fehler — und wie du sie vermeidest

Quellenlücke: Nur ein Portal prüfen. BayVeBe zeigt Bekanntmachungen, die auf auftraege.bayern.de laufen — aber nicht alles, was Auftraggeber nur auf der eigenen Seite listen.

Fristenverpassung: Angebotsfristen an Wochenenden oder Feiertagen. Kalender-Erinnerung drei Tage vorher setzen, nicht am Stichtag.

Unvollständige Unterlagen: Formale Ausschlussgründe sind häufiger als inhaltliche Niederlagen. Checkliste abarbeiten, nicht aus dem Gedächtnis.

Zu spät einsteigen: Bei beschränkten Verfahren ist die Teilnahme bereits vor der Angebotsphase entschieden. Vorinformationen ernst nehmen.

Schlechte Kalkulation: Öffentliche Aufträge sind kein Schnäppchenmarkt — aber sie sind planbar. Wer Angebotskalkulationsfehler → vermeidet, hat bessere Margen auch unterhalb der EU-Schwelle.

Dein wiederholbarer Wochen-Workflow

So baust du aus Einzelaktionen ein System:

TagAufgabe
MontagBayVeBe: neue Bekanntmachungen in deiner Region + CPV
Dienstagvergabe.bayern.de / auftraege.bayern.de: offene Bauverfahren
MittwochRelevante Auftraggeber-Seiten (Kommunen, Wohnungsgesellschaften)
DonnerstagZuschlagsbekanntmachungen: wer gewinnt in deinem Umkreis?
FreitagOffene Angebote priorisieren, Unterlagen aktualisieren

Das kostet 3–5 Stunden pro Woche — realistisch für einen Betrieb ohne eigene Vergabeabteilung. Wer das nicht stemmen kann, braucht Aggregation auf Alle Gewerke →: tägliche Quellenprüfung, Matching nach Gewerk und Region, Fristenwarnungen. Preise transparent → ab 59 Euro im Monat.

Finale Checkliste vor der Abgabe

Kurz vor dem Upload oder der Unterschrift:

  • Alle geforderten Formblätter ausgefüllt
  • Preise im geforderten Format (netto/brutto, Einheitspreise, Pauschalen)
  • Eignungsnachweise angehängt oder hochgeladen
  • Frist eingehalten — mit Puffer, nicht auf die letzte Minute
  • Kopie des Angebots archiviert (Nachweis bei Streit)

Unterschwellenvergabe in Bayern ist kein Nebenmarkt — sie ist der Kernbereich für KMU. Wer Quellen, Fristen und Unterlagen im Griff hat, gewinnt öfter als der Betrieb, der nur „mal schaut, ob was Neues da ist“. Jetzt kostenlos registrieren und passende nationale Ausschreibungen sehen →

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