Vom Treffer zum Zuschlag

PQ-VOB — was die Präqualifikation kostet und wann sie sich lohnt

PQ-VOB Präqualifikation Kosten: Was die Erst-PQ und die Jahresgebühr kosten, welche Nachweise entfallen und ab wann sich der Eintrag für dich rechnet

4 Min. Lesezeit

PQ-VOB Präqualifikation Kosten sind der Teil, den jeder zuerst googelt — und der selten die ganze Rechnung ist. Die Gebühr der PQ-Stelle ist real, aber die größere Zahl ist die Zeit, die du ohne PQ bei jedem Verfahren wieder in Formblatt 124, Referenzen und Unbedenklichkeitsbescheinigungen steckst. Ob sich der Eintrag lohnt, hängt davon ab, wie oft du auf öffentliche Bauaufträge bietest — nicht davon, ob 400 Euro „viel“ klingen.

Was PQ-VOB ist — und was sie ersetzt

Der Verein für die Präqualifikation von Bauunternehmen e. V. (PQ-Verein) führt das Amtliche Verzeichnis PQ-VOB. Die Leitlinie des Bundes beschreibt die Präqualifikation als vorgelagerte, auftragsunabhängige Prüfung der Eignungsnachweise nach den Anforderungen der VOB/A bzw. VOB/A EU.

Praktisch heißt das für dich:

  • Du beantragst die Prüfung bei einer der konzessionierten PQ-Stellen.
  • Nach positivem Abschluss steht dein Betrieb mit den präqualifizierten Leistungsbereichen im öffentlichen Teil des Verzeichnisses.
  • In einem Verfahren reicht oft die PQ-Nummer — die hinterlegten Nachweise müssen die Vergabestelle dann in der Regel nicht erneut anfordern.

Genau deshalb steht auf dem bayerischen Formblatt 124 in der Kopfzeile: es ist die Eigenerklärung für nicht präqualifizierte Unternehmen. Mit gültiger PQ entfällt dieser Bogen. Wie das Formular sonst Feld für Feld aussieht, steht in Formblatt 124 ausfüllen →.

PQ-VOB Präqualifikation Kosten: eine konkrete Gebührenordnung

Die Leitlinie sagt ausdrücklich: Die Finanzierung der PQ-Stellen erfolgt aus Entgelten der Bauunternehmen; die Höhe bestimmt sich nach den Kosten der jeweiligen Stelle. Es gibt keinen bundeseinheitlichen Festpreis.

Als Orientierung eine veröffentlichte Gebührenordnung einer PQ-Stelle — Zertifizierung Bau GmbH, Berlin, Preisstand 04/2023, Beträge netto:

PositionBetrag (netto)
Grundbeitrag Erst-PQ360 €
1. präqualifizierter Leistungsbereich (inkl. 3 Referenzen)60 €
2.–5. Leistungsbereich0 €
jeder weitere Leistungsbereich60 €
zusätzliche Referenz (optional)20 €

Erste Rechnung für einen Leistungsbereich: 360 € + 60 € = 420 € netto, plus Umsatzsteuer. Dazu kommt die Jahresgebühr für die Aufrechterhaltung — erstmals zwölf Monate nach Annahme des Antrags, Höhe nach derselben Ordnung und abhängig von Umsatzkategorie bzw. Umfang. Andere PQ-Stellen haben eigene Tabellen; hol dir vor dem Antrag die aktuelle Gebührenordnung der Stelle, bei der du einreichen willst.

Zusätzlich zu den Gebühren kostet die Erst-PQ Arbeitszeit: Referenzen sammeln, Unbedenklichkeitsbescheinigungen anfordern, Versicherungsnachweise aktualisieren. Wer das schon für das Bieterprofil → sortiert hat, ist schneller fertig.

Wann sie sich lohnt

Rechne nicht „420 Euro gegen nichts“, sondern „420 Euro gegen die Stunden pro Verfahren“:

Deine LageTendenz
Ein bis zwei öffentliche Angebote pro JahrOft reicht ein gepflegtes Nachweis-Paket ohne PQ
Regelmäßig Unterschwellen- und VOB-VerfahrenPQ spart jedes Mal Formblatt, Referenzjagd und Rückfragen
Viele Nachunternehmer-EinsätzeJeder nicht präqualifizierte NU braucht oft ein eigenes Formblatt 124 — PQ beim NU ist Gold wert
Nur private AufträgePQ bringt dir nichts

Faustregel aus der Praxis: Ab dem dritten oder vierten öffentlichen Angebot im Jahr amortisiert sich die Erst-PQ allein über die eingesparte Bürozeit — vorausgesetzt, du hältst die Nachweise aktuell. Denn eine abgelaufene Unbedenklichkeitsbescheinigung im Verzeichnis ist genauso tödlich wie eine fehlende im Umschlag.

Welche Nachweise typischerweise ohnehin liegen müssen, steht in der Eignungsnachweise-Checkliste →. Den Überblick über Eignung, Bieterprofil und Präqualifikation findest du unter Eignungsnachweise und Bieterprofil →. Offene Verfahren in Bayern: Ausschreibungen →.

So gehst du die Erst-PQ an

  1. Wähle eine PQ-Stelle über pq-verein.de → und lade die aktuelle Gebührenordnung.
  2. Entscheide die Leistungsbereiche, in denen du wirklich bietest — nicht „alles, was möglich wäre“.
  3. Besorge drei belastbare Referenzen pro Leistungsbereich, idealerweise mit Bestätigung des Auftraggebers.
  4. Lege Unbedenklichkeiten, Handwerkskarte, Versicherung und Registerauszüge so ab, dass die Stelle sie prüfen kann.
  5. Nach Eintrag: trage die PQ-Nummer in dein Bieterprofil ein und setze einen Kalendertermin für die Jahresaktualisierung.

Nachweise einmal sortieren und bei der nächsten Ausschreibung wiederverwenden — mit oder ohne PQ: Bieterprofil ansehen →

Quellen

Aaron Gregg

Geschäftsführer, Ibis Flow GmbH

Verantwortlich für die Inhalte von Alle Gewerke und für die Vergabe- und Matching-Systeme hinter der Plattform.

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