Was sich jetzt ändert

Neue VDE-AR-N 4105 für PV und Speicher — was sich beim Netzanschluss ändert

VDE-AR-N 4105 Speicher und PV: Die Fassung 2026-03 gilt — Vereinfachungen für Kleinstanlagen, Nulleinspeisung und was Elektro bei öffentlichen Aufträgen beachten muss

4 Min. Lesezeit

Stand: 28. Juli 2026 In Kraft

Die neue VDE-AR-N 4105 für Speicher und PV ist da: Als Fassung 2026-03 ersetzt sie die Version 2018-11. Für Elektrobetriebe, die Anlagen am Niederspannungsnetz planen, anschließen oder in öffentlichen Losen anbieten, ändert sich vor allem der Anschluss- und Nachweisprozess — nicht die Physik der Module.

Die Clearingstelle EEG|KWKG führt die gültige Version und die Stoßrichtungen der Überarbeitung. Die Norm selbst bleibt ein kostenpflichtiges VDE-Dokument; was folgt, sind die Punkte, die für die tägliche Arbeit und für öffentliche Ausschreibungen zählen.

VDE-AR-N 4105 Speicher: was die Fassung 2026-03 neu fasst

Laut Clearingstelle und VDE-Änderungsübersicht dreht sich die Überarbeitung um fünf Blöcke:

  1. Vereinfachung der Anforderungen für Kleinsterzeugungsanlagen und -speicher
  2. PAV,E-Überwachung und ausdrückliche Erfassung der Nulleinspeisung
  3. Erweiterte Anforderungen an systemstützende Erzeugungseinheiten
  4. Anforderungen und Nachweise für rückspeisefähige Ladeeinrichtungen (bidirektionales Laden)
  5. Überarbeitete Formulare für den Netzanschlussprozess

Die DKE-/VDE-Änderungsübersicht nennt konkret die Vereinfachung der technischen Mindestanforderungen für Erzeugungsanlagen und Speicher bis 800 VA. Speichereinheiten sind damit nicht mehr der Sonderfall neben der PV-Anlage, sondern Teil derselben Anwendungsregel — inklusive DC-gekoppelter Kombinationen, soweit die Erzeugungsleistung in der Summe die Kleinstgrenze einhält.

Für größere Anlagen am Niederspannungsnetz weitet die Regel den Anwendungsbereich aus (kumulierte Leistung und Einspeiseleistung am Netzanschlusspunkt — Details stehen in der Norm und in den Formularen deines Netzbetreibers). Wer nur „die alte 4105 von 2018“ im Kopf hat, plant an den neuen Nachweisvarianten vorbei.

Übergangsfrist: noch nicht jeder Netzbetreiber ist umgestellt

Die Veröffentlichung Ende Februar 2026 erlaubt die Anwendung ab März 2026. Der BSW-Solar nennt über photovoltaik.eu eine Übergangsfrist bis Anfang März 2027, in der wahlweise noch nach der alten oder der neuen Fassung verfahren werden kann. Für Einheitenzertifikate gilt laut derselben Meldung eine gesonderte Frist — längstens bis zum 1. März 2028, abhängig vom Erscheinen der DIN VDE 0124-100.

Für dich heißt das in der Praxis:

  • Frag beim Netzbetreiber schriftlich, welche Fassung und welches Formularpaket er heute verlangt.
  • Rechne nicht damit, dass „vereinfacht“ überall schon gilt — und nicht damit, dass alle noch die 2018er Regeln fahren.
  • Bei öffentlichen Losen: die Leistungsbeschreibung und die technischen Vertragsbedingungen entscheiden, nicht dein Lieblingsstand der Norm.

Was das für öffentliche Aufträge in Bayern bedeutet

Kommunen, Zweckverbände und der Freistaat schreiben PV auf Schulen, Verwaltungsgebäuden und Betriebshöfen aus — oft als eigenes Los, oft als Teil der TGA. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz → kommt zusätzlich eine Pipeline öffentlicher Dachflächen. Wer dort anbietet, muss Netzanschluss, Speicher und zunehmend Ladeinfrastruktur in einem Zug denken.

Drei Stellen, an denen die neue 4105 in der Kalkulation auftaucht:

ThemaWarum es Geld kostet
Nachweis- und ZertifikatspflichtenFalsches oder veraltetes Einheiten-/Anlagenzertifikat verzögert die Inbetriebnahme
Nulleinspeisung / PAV,EWenn die Unterlagen Nulleinspeisung fordern, muss die Regelung der Anlage das können — und nachweisbar sein
Formulare und FristenMarktstammdatenregister und Netzbetreiber-Formulare laufen parallel; wer eines vergisst, steht mit fertiger Anlage ohne Freigabe da

Welche öffentlichen Elektroaufträge gerade laufen, siehst du gefiltert nach Gewerk:

Wie du öffentliche Quellen in Bayern systematisch abdeckst, steht im Leitfaden zu Ausschreibungen in Bayern →. Den Überblick über Gewerke und Regionen gibt Öffentliche Aufträge nach Gewerk →. Alle offenen Verfahren: Ausschreibungen in Bayern →.

Was du diese Woche tust

  1. Lies die Änderungsübersicht der Fassung 2026-03 (VDE) und markiere, was deine typischen Anlagengrößen betrifft.
  2. Frag deinen Netzbetreiber nach dem aktuellen Formularsatz und der Übergangsregel.
  3. Prüfe in laufenden Angeboten, ob die Vergabeunterlagen noch auf 2018 verweisen — und ob du das als Bieterfrage klärst.
  4. Wenn Speicher oder bidirektionales Laden im Los stehen: nimm die Nachweispflichten in die Kalkulation auf, bevor du den Einheitspreis setzt.

Offene Elektro- und PV-Lose in Bayern findest du hier: Ausschreibungen ansehen →

Quellen

Aaron Gregg

Geschäftsführer, Ibis Flow GmbH

Verantwortlich für die Inhalte von Alle Gewerke und für die Vergabe- und Matching-Systeme hinter der Plattform.

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