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Öffentliche Aufträge nach Gewerk — wo in Bayern für welches Handwerk vergeben wird
Öffentliche Bauaufträge werden überwiegend in Losen nach Gewerken vergeben. Für einen Fachbetrieb ist deshalb nicht das Gesamtprojekt relevant, sondern das Los, das zu seinem Leistungsbild passt.
Stand:

Der Losgrundsatz ist für mittelständische Betriebe die wichtigste Regel im öffentlichen Vergaberecht. Öffentliche Auftraggeber sind grundsätzlich verpflichtet, Leistungen nach Fachgebieten getrennt zu vergeben, damit sich auch Fachbetriebe ohne Generalunternehmer-Struktur beteiligen können.
Das bedeutet praktisch: bei einer Schulsanierung entstehen nicht ein Auftrag, sondern zwanzig — Rohbau, Dach, Fenster, Elektro, Heizung, Sanitär, Trockenbau, Maler, Bodenbeläge, Fliesen, Außenanlagen und weitere.
Wer welche Gewerke beauftragt
Staatliche Bauämter verantworten Hochbau und Straßenbau des Freistaats: Schulen, Hochschulen, Justizgebäude, Polizeidienststellen, Landesstraßen. Der Gewerkemix ist breit und die Volumina pro Los sind vergleichsweise groß.
Kommunen und Landkreise vergeben Schulen, Kindertagesstätten, Feuerwehrhäuser, Rathäuser, Sportanlagen und Gemeindestraßen. Hier liegt das größte Volumen an kleineren Losen — der Bereich, in dem regionale Fachbetriebe die besten Chancen haben.
Stadtwerke und Zweckverbände vergeben Leitungsbau, Wasser- und Abwasseranlagen, Fernwärmenetze und zunehmend Anlagen im Zuge der Wärmeplanung.
Kommunale Wohnungsbaugesellschaften vergeben Sanierung und Neubau im Wohnungsbau, oft mit hohem Anteil an Ausbaugewerken.
Kirchliche Träger vergeben Kindergärten, Pflegeeinrichtungen und Gebäudeunterhalt — eine Quelle, die die großen Portale nur unvollständig abdecken.
Wo die Nachfrage strukturell wächst
Zwei Entwicklungen verschieben die Gewerkenachfrage in Bayern nachhaltig. Die kommunale Wärmeplanung erzeugt Bedarf im Leitungsbau, in der Heizungstechnik und im Anlagenbau. Und die energetische Sanierung des öffentlichen Gebäudebestands verschiebt Volumen von Neubau zu Bestandsarbeiten — mit hohem Anteil an Fenster-, Dach-, Dämm- und Anlagentechnikleistungen.
Worauf bei Losvergaben zu achten ist
Die Zusammenfassung mehrerer Fachlose zu einem Gesamtauftrag ist begründungspflichtig. Wo sie erfolgt, verschiebt sie das Verfahren faktisch zu Generalunternehmern, und Fachbetriebe kommen nur noch als Nachunternehmer zum Zug — mit dem entsprechenden Preisdruck.
Für die eigene Suche heißt das: nicht nach Projekten suchen, sondern nach Losen mit dem passenden Leistungsbild.
Beiträge zu diesem Thema
4 Beiträge gehen auf einzelne Aspekte im Detail ein.

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