Ausschreibung zerlegt

Teilnahmewettbewerb Bau: Eignung vor dem Angebot klären

Teilnahmewettbewerb Bau Eignung an der Holzmodulschule Stuttgart: EU-Text und Bekanntmachung widersprechen sich, du klärst GU, ARGE oder Nachunternehmer

Veröffentlicht Sachstand 8 Min. Lesezeit

Die Landeshauptstadt Stuttgart sucht einen Generalunternehmer für ein Schulgebäude aus rund 200 Holzraummodulen in Möhringen. Die Stadt nimmt Angebote dafür erst im März 2027 an, und nur von Firmen, die sie vorher auffordert. Die Frage Teilnahmewettbewerb Bau Eignung ist an diesem Fall konkret: Bis zum 5. November 2026, 10 Uhr, muss feststehen, ob du als Generalunternehmer, in einer ARGE oder nur als Nachunternehmer in den Teilnahmeantrag gehst.

Stand: 28. Oktober 2026. Bewerberfragen nimmt die Plattform bis zum 29. Oktober, 10 Uhr, an. Wer danach liest, stellt diese Frage nicht mehr. Der Teilnahmeantrag selbst läuft bis zum 5. November, 10 Uhr. Danach ist derselbe Fall ein Lehrbeispiel, keine offene Bewerbung.

Gelesen haben wir die EU-Bekanntmachung, die städtische Kurzbekanntmachung und die öffentlichen Labels der Vergabeplattform. Projektbeschreibung, Bewerbungsunterlagen und ein Fragenkatalog stehen auf der Plattform. Diese Dateien haben wir nicht geöffnet. Ein Leistungsverzeichnis liegt uns nicht vor.

Zwei Uhren, und nur die erste lässt dich hinein

Das Verfahren 3000_NOV_050327 ist ein nicht offenes Verfahren nach VOB/A-EU. Jedes interessierte Unternehmen kann einen Teilnahmeantrag stellen. Ein Angebot abgeben darf nur, wen der Auftraggeber danach dazu auffordert. So ist der Teilnahmewettbewerb in § 3b EU Absatz 2 beschrieben.

Auf der Verfahrensseite der Stadt Stuttgart → stehen die Tage so:

  • Bewerberfragen bis 29. Oktober 2026, 10 Uhr
  • Bewerbungsfrist 5. November 2026, 10 Uhr
  • Ausgabetermin 5. Januar 2027, die Aufforderung an die ausgewählten Bewerber
  • Ablauf der Angebotsfrist 11. März 2027, 10 Uhr
  • Bindefrist 31. Mai 2027
  • Ausführung 13. März 2028 bis 11. Mai 2029

Tipp: Lies bei einem nicht offenen Verfahren zuerst die Bewerbungsfrist. Die Angebotsfrist im März gilt nur für die Firmen, die eine Aufforderung bekommen. Eine Übersicht, die nur die Tage bis März zählt, beschreibt die zweite Stufe.

Die EU-Bekanntmachung 652249-2026 → ist am 22. September 2026 erschienen. Eine Berichtigung zu dieser Verfahrenskennung lag am 28. Oktober nicht vor.

Was die Holzmodulschule wirklich ist

Ein Los. Komplettleistung, gebrauchsfertig, drei Geschosse, Gebäudeklasse 3, Schule der Sekundarstufe mit Ganztag, Verwaltung und Mensa. Enthalten sind Ausführungsplanung, die im Bekanntmachungstext so genannte W+M-Planung, Statik und Prüfstatik. Außen etwa 105 mal 31 Meter, Nettoraumfläche rund 6.200 Quadratmeter, Bruttogrundfläche rund 7.000 Quadratmeter, umbauter Raum rund 31.000 Kubikmeter, etwa 200 Raummodule.

Dazu kommen Ortbeton-Flachgründung, Metallfassade, Gründach, Holz-Alu-Fenster, Raffstores, Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Luft-Wasser-Wärmepumpen, Gebäudeautomation, Versorgungsküche und ein Aufzug. Photovoltaik, Freianlagen und die Trafostation bleiben bauseits. Nebenangebote lässt die Plattform nicht zu. Einen geschätzten Auftragswert nennt die EU-Bekanntmachung nicht.

Den Preis dieses Loses rechnest du vor dem 5. Januar 2027 nicht seriös. Die Angebotsunterlagen gehen an die ausgewählten Bewerber. Was du bis zum 5. November baust, ist eine Eignungsmappe.

Wie so eine Mappe grundsätzlich aussieht, steht in der Checkliste der Eignungsnachweise →. Ob sich der Aufwand lohnt, bevor du Partner und Nachweise einsammelst, steht im Leitfaden Ausschreibung prüfen →.

Teilnahmewettbewerb Bau Eignung: zwei Texte, zwei Messlatten

Hier trennt sich eine ernsthafte Bewerbung von einem Raten.

Die Kurzbekanntmachung im Amtsblatt vom 1. Oktober 2026 → verlangt über das Formblatt 124 hinaus im Wesentlichen:

  • einen Mindestjahresumsatz von 20 Millionen Euro
  • mindestens drei abgeschlossene vergleichbare Referenzen der letzten fünf Jahre, ausgeführt als Hauptauftragnehmer
  • vergleichbar heißt dort: mindestens 100 Raummodule in Holzmodulbauweise und schlüsselfertiger Ausbau
  • davon mindestens eine allgemeinbildende Schule oder vergleichbare Bildungsstätte
  • und ein Gebäude mit mindestens zwei oberirdischen Geschossen und mindestens Gebäudeklasse 3

Dieselben drei Seiten sagen, dass allein der Text im Amtsblatt der Europäischen Union maßgeblich ist.

Dieser EU-Text sagt etwas anderes. Bei den Referenzen steht dort, dass keine weiteren Mindeststandards gefordert sind. Beim Umsatz: keine konkreten Mindestanforderungen. Die Referenzen sollen die vertragliche Rolle ausweisen, also Hauptauftragnehmer, ARGE-Partner oder Nachunternehmer. Eine Untergrenze von 20 Millionen Euro und eine Definition über 100 Module stehen dort nicht.

Die EU-Bekanntmachung kennzeichnet das Los zugleich als für kleine und mittlere Unternehmen geeignet. Ein Jahresumsatz von 20 Millionen Euro ist für einen Betrieb mit 3 bis 50 Mitarbeitern eine andere Welt. Beide Sätze können nicht gleichzeitig die Messlatte sein. Eine EU-Berichtigung, die den strengeren Text nachzieht, haben wir nicht gefunden.

In derselben Kurzbekanntmachung stehen zwei Jahreszahlen, die am 28. Oktober 2026 schon verstrichen sind: Öffnung der Angebote am 11. März 2026 und Bindefrist am 31. Mai 2026. Die Plattform nennt für beides das Jahr 2027. Der Ausgabetermin am 5. Januar 2027 passt nur zu diesem Jahr. Die Jahreszahl 2026 ist damit keine Frist, auf die du ein Angebot baust.

Nebenangebote schließt die Kurzbekanntmachung aus. Das deckt sich mit der Plattform. Im nächsten Absatz spricht sie davon, mit einem oder mehreren Hauptangeboten eine Lösung zu wählen. Die Plattform sagt, mehrere Hauptangebote seien nicht zulässig. Das ist kein Freibrief für ein zweites Angebot. Es gehört in die Bewerberfrage oder in die Bewerbungsunterlagen.

Für EU-Bauvergaben gilt Abschnitt 2 der VOB/A in der Fassung, auf die § 2 der Vergabeverordnung verweist. Was das für den Zeitpunkt der Nachweise heißt, steht in VOB/A 2026 Änderungen →. Der Normalfall dort: erst die Eigenerklärung, weitere Urkunden von den aussichtsreichen Bewerbern. Die Kurzbekanntmachung der Stadt setzt die Nachweise trotzdem auf den Teilnahmeantrag. Was du einreichst, steht in den Bewerbungsunterlagen auf der Plattform.

Vorlagentext ist keine Deckungssumme

Auch der EU-Text, der maßgeblich sein soll, ist an drei Stellen nicht zu Ende geschrieben. Im veröffentlichten Formular stehen noch Arbeitsanweisungen an die Vergabestelle:

  • eine Handwerkskarte, bei der das Gewerk als Platzhalter offen ist; im Zweifel entscheidet die Handwerkskammer Stuttgart über die Gleichwertigkeit
  • ein Nachweis nach TRGS 519, bei dem offen ist, ob Anlage 3 oder 4 gemeint ist, und ein Schweißnachweis nach EN 1090 in Ausführungsklasse 2 oder 3
  • eine spezielle Geothermie-Haftpflicht mit Beispielsummen von 8 Millionen Euro je Schadensfall und 16 Millionen Euro im Jahr

Die Leistungsbeschreibung nennt Luft-Wasser-Wärmepumpen, nicht Geothermie. Die Beispielsummen sind keine Deckung, die wir dir zum Rechnen geben. Wer sie als Auflage liest, liest eine nicht ausgefüllte Maske.

Auf der Plattform liegen Dateien, die wir nicht geöffnet haben: die Bewerbungsunterlagen, eine Projektbeschreibung, die Eigenerklärung Formblatt 124, die Erklärung zur Arbeitsgemeinschaft Formblatt 234, die Referenzbescheinigung Formblatt 444 und ein Fragenkatalog. Solange die Fragenfrist am 29. Oktober, 10 Uhr, noch offen ist, gehört der Widerspruch zwischen EU-Text und Kurzbekanntmachung dorthin. Danach zählt, was in diesen Dateien und in einer eventuellen Bewerberinformation steht.

Wie das Formblatt 124 aufgebaut ist, zeigt Formblatt 124 ausfüllen → an der bayerischen Fassung. Stuttgart hat diese Eigenerklärung in den Teilnahmeordner gelegt. Die Zusatzfelder zu Modulen, zu den Kostengruppen 300 und 400 und zur Planungsleistung stehen in der Kurzbekanntmachung, nicht in unserem Bayern-Text.

GU, ARGE oder Nachunternehmer

Für einen Betrieb mit 3 bis 50 Mitarbeitern ist die alleinige Rolle als Generalunternehmer auf Basis des strengeren Textes ein Nein. Drei schlüsselfertige Holzmodulbauten mit jeweils mindestens 100 Raummodulen, davon eine Schule und ein mehrgeschossiges Gebäude, ausgeführt als Hauptauftragnehmer, dazu ein Jahresumsatz von 20 Millionen Euro: das ist die Mappe eines Modulherstellers. Solange nicht geklärt ist, dass der EU-Text ohne diese Untergrenzen gilt, baust du keine Bewerbung auf die Hoffnung, die 20 Millionen entfielen.

ARGE kommt nur infrage, wenn der Partner mit den Modul-Referenzen vor dem Teilnahmeantrag feststeht und die Erklärung zur Arbeitsgemeinschaft unterschrieben ist. Eine Telefonliste ist keine ARGE. Das Formblatt 234 liegt dafür im Teilnahmeordner.

Nachunternehmer ist der Weg, der zu Fassade, Dach, Fenstern, Lüftung, Wärmepumpe, Automation oder Ausbau passt. Braucht der Generalunternehmer deine Kapazität für seine eigene Eignung, braucht er eine verpflichtende Zusage von dir. Berufliche Erfahrung darf er sich nach § 6d EU nur zurechnen, wenn dein Betrieb die Arbeiten auch ausführt. Ob diese Zusage schon zum Teilnahmeantrag gehört, sagen die Bewerbungsunterlagen. Wer erst nach einem Zuschlag anfragt, kommt für diese Mappe zu spät.

Aussteigen ist richtig, wenn du die Rolle erst nach dem 5. November verteilen willst. Dann ist der Teilnahmewettbewerb für dich vorbei, auch wenn im März noch eine Angebotsfrist auf einer Übersicht steht.

Dieselbe Frage nach der Rolle kennst du aus einem offenen Verfahren, nur ohne diese erste Hürde. Die PV-Ausschreibung der Stadt Erlangen → war ein einziges Los mit Angebotsfrist. Hier gibt es die Angebotsfrist nur für die, die die Bewerbung überstehen.

Den Rahmen für Leistung, Eignung und Frist bündelt der Themenhub Ausschreibung prüfen und kalkulieren →.

Dieselbe Lesart, andere Länder

Die Tage und die 20 Millionen Euro gehören nach Stuttgart und gelten nicht in Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Sachsen oder Nordrhein-Westfalen. Die Lesart reist mit: Steht über einem Bauauftrag ein nicht offenes Verfahren, prüfst du die Bewerbungsfrist, den EU-Text und den lokalen Text gegeneinander.

Eine Landesplattform ist dabei nicht automatisch die Stadt. Dieses Verfahren der Landeshauptstadt liegt auf ihrer eigenen Seite, nicht auf der Plattform des Landes. Wo die Ebenen in Baden-Württemberg auseinanderfallen, steht in Vergabeplattform Baden-Württemberg →.

Bauaufträge im Regierungsbezirk, bei denen du Verfahren und Frist selbst lesen musst, liegen unter Hochbau in Stuttgart →. Das Gewerk der Raummodule liegt bei Zimmerer- und Holzbauarbeiten →.


Zwei veröffentlichte Texte, eine Bewerbungsfrist, keine seriöse Preiskalkulation davor. Die Rolle klärst du, bevor du Nachweise einsammelst. Nachweise für den Teilnahmeantrag sortieren →

Quellen

Aaron Gregg

Geschäftsführer, Ibis Flow GmbH

Verantwortlich für die Inhalte von Alle Gewerke und für die Vergabe- und Matching-Systeme hinter der Plattform.

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